Kolumne: Kommt noch ein Winter Wonder Wellenland
von Friederike Hiller
Sagt am Dienstag, 2. Februar, das Murmeltier Phil einen langen Winter oder baldigen Frühling voraus? Während ich insgeheim auf Wärme und eine grüne Natur hoffe, schweifen meine Gedanken zu einer Schneeerinnerung ab: Leise rieselte der Schnee, doch still ruhte nicht die See. Ein Oststurm brachte der Ostseeküste Wellen. Ein Wetter, das der ein oder andere als ungemütlich oder perfekt für Kamin, Badewanne und mit einem Tee im warmen Sitzen und nach draußen schauen, ansehen könnte. Oder aber auch perfekt, um sich in den 6-Millimeter-Wetsuit zu zwängen, Haube aufzusetzen, Booties und Handschuhe überzustreifen und sich das Surfboard unter den Arm zu klemmen.
Wenn die Gesichtszüge nicht erstarren sollen, ist auch Vaseline im Gesicht nicht zu verachten.
Zugegeben, sobald die wärmende Schicht aus Winterjacke, Hoodie und Jogger den Körper verlassen hat, und der Wind die Schneeflocken wie Körner über die nackten Körperpartien schleudert, fragt man sich, ob dieses Unterfangen, den Schmerz gefühlter kleiner Nadelstiche des natürlichen Körperpeelings aufwiegt.
Nicht lang überlegen, sobald die Neoprenschicht mit einem weichen, wohligen Innenfutter eng anliegt, ist alles nicht mehr so schlimm. Das kann auch mal ein bisschen länger dauern, wenn sie sich wehrt und nur unter gutem Zureden und mit viel Geduld an ihren Platz geschoben werden kann. Gelegentliche sich selbst verletzende Kinnhaken eingeschlossen. Sehr beliebt beim Hochziehen der Ärmel. Mit der rechten Hand am linken Arm mit ordentlich Kraft gen Gesicht gezogen. Abgerutscht und schon das Kinn getroffen. Na zumindest wird das wieder durchblutet.
Geschafft, die zweite Haut hüllt den Surfer wärmend ein, das Brett ist gewachst, es kann losgehen.
Die Wellen rollen an den Eckernförder Strand. Sowohl vor Eckernförde als auch in Damp läuft es an diesem Wintertag bei Temperaturen um die minus 4 Grad und einer Wassertemperatur von 2 Grad Celsius gut. Die Brückenkonstruktion, deren Holzbelag für den Winter abmontiert wurde, ragt aus dem Wasser, wird von den Wellen umspült und taucht zeitweise aus dem Blickfeld ab. Etwa einen halben Meter Höhe erreichen sie. Doch bei der typischen Windwelle brechen sie, wo sie wollen. Man hat das Gefühl, dass sie teilweise gleichzeitig von allen Seiten auf einen zurollen.
Der Sturm reißt am Board. Das Wasser umspült langsam die Beine. Die Kälte des Wassers ist nicht zu spüren, der Wetsuit sitzt. Den Körper auf dem Brett ablegen, die Arme so weit es geht nach vorne strecken, neben dem Brett ins Wasser tauchen und am Körper vorbei nach hinten ziehen. Was im Sommer, mal abgesehen vom Wasserwiderstand, sehr leicht geht, fällt mit der dicken Schicht, die Auftrieb gibt, um einiges schwerer. Nach einigen kraftraubenden Paddelzügen ist das Line-up erreicht. Wenn man es denn in diesem ungeordneten Wellenschwibschwab so nennen will.
Eine Welle baut sich auf, ergreift das Board, schnelle Paddelschläge, aufspringen, surfen. Genau für dieses Gefühl auf dem Brett zu stehen und die Welle hinab zu gleiten, egal wie kurz es auch sein mag, hat es sich gelohnt. Die Gedanken schweifen nur noch um die nächste Welle, der Alltag ist vergessen. Zudem lädt die kalte, frische Luft, die einen ganz speziellen Winterduft hat, zum durchatmen ein. Man spürt die Kraft der Elemente und trotzt ihnen ein Stück weit. Dieser wundervolle Wintertag lässt sich auch ohne Sonne genießen. Dafür braucht es nur die Aussicht auf die nächste Welle. Nicht zu lange im kalten Wind sitzen bleiben - fast jede Welle wird angepaddelt.
Im Anschluss heiß es, sehr schnell aus den nassen Klamotten und in die Winterkleidung zu kommen. Das wohlige Gefühl, dass sich dann ausbreitet ist unbeschreibbar schön. Dass der Körper mehr als sonst arbeiten musste, erfährt man spätestens nach der Rückkehr auf dem Sofa. Keine zehn Minuten später holt er sich, was er braucht, und ist eingeschlafen.
Bildernachweise:
Eissurfer: daita via VisualHunt.com / CC BY
Winterbild: Henry Hemming via VisualHunt.com / CC BY
Wintersurf: dakine kane via VisualHunt.com / CC BY