„Regatten werden nachts gewonnen“

von Friederike Hiller

Vier Freunde auf einem Boot: Mit Rückenwind gelang der Downwindsurf der „Hinden“ und ganz schön flott näherte sie sich mit Jonas, Till, Malte und Grand an Bord Kopenhagen. Die erste Etappe der Langstreckenregatta Sydbank Cup von Kiel nach Kopenhagen konnte die Crew der „Hinden“ zum vierten Mal in Folge gewinnen.

Während Jonas Hallberg, Till Barth, Malte Jacobsen und Grand Greenhorn ihre Zeit in Kopenhagen genießen, blicken sie auf die vergangenen Stunden zurück. Mittwochabend, der Startschuss fiel und traditionell schien bald der Wind einzuschlafen. „Der Trick ist, möglichst schnell aus der Kieler Förde raus zu sein, sonst bleibt man da hängen“, berichtet Skipper Jonas Hallberg. Sie hatten sich für eine andere Taktik als die meisten Schiffe des Feldes entschieden. Während die anderen auf der südlichen Route nach Kopenhagen an Gedser vorbei (die in diesem Jahr gesegelt wurde) den kürzesten Weg an der Küste entlang in Richtung Fehmarn nahmen, hofften sie auf mehr Wind und segelten zunächst gen Norden, um dann abzubiegen. Einen Vorsprung konnten sie sich zwar nicht erarbeiten, verloren aber auch nichts: in einem großen Pulk kamen alle wieder bei Fehmarn zusammen.

Foto: Till Barth

Adrenalin gegen die Müdigkeit

Dann drehte der Wind auf Süd, legte zwischenzeitlich auf fast 30 Knoten zu und versetzte die „Hinden“ in einen Geschwindigkeitsrausch. Unter Gennaker rauschte die 10 Meter lange JPK 10.10 mit 18 Knoten Topspeed über und mit den Wellen. Ein Powernap von je 30 Minuten musste jedem der vier Crewmitglieder reichen. Jede Hand wurde gebraucht. „Wir sind so voller Adrenalin, da werden wir auch gar nicht richtig müde“, sagte der Skipper. Nach 19 Stunden und 38 Minuten erreichten sie das Ziel.

Foto: Till Barth

Sturz ohne blauen Fleck

„Wir sind sehr zufrieden. Zum Glück ist alles heil geblieben“, resümieren sie. Ein paar brenzlige Situationen habe es doch gegeben. So ging der Skipper bei einer Halse fast über Bord. „Ich stand falsch zur Großschot“, berichtet er. Doch vom Sturz, bei dem er ins Heck geschleudert wurde, habe er nicht mal einen blauen Fleck davon getragen. „Ich bin glücklicherweise sanft gelandet.“

Der Blick auf die Verfolger.

Foto: Till Barth

Großartige Atmosphäre

Nachtsegeln sei aus zwei Gründen reizvoll. Zum einen, da es schwieriger sei sich zu orientieren, die Segler die Segel nicht so gut sehen und sich trotz Schlafmangel noch mehr konzentrieren müssen als am Tag. „Ich finde, dass nachts die Regatten gewonnen werden“, so Jonas. Und zum anderen weil die Nacht eine besondere Atmosphäre mit sich bringe. Ein sternklarer Himmel blieb in diesem Jahr allerdings hinter einer Wolkendecke verborgen. Doch das Schimmern am Horizont brachte die magische Stimmung. „Das ist schon großartig.“

Ein Lächeln auf dem Gesicht gehört zum Segeln der Hinden-Crew.

Foto: Till Barth

Vier Freunde auf einem Boot

Und das zusammen zu genießen, ist der Crew wichtig. Denn es sind vier Freunde, die außerhalb der Regatten zusammen nur mal zum Spaß segeln, aber nie wirklich trainieren. Und sie kommen auch nicht aus der Seglerkarriere von der Jolle oder dem Skiff auf das Dickschiff sondern vom Wind- oder Kitesurfen. „Wir sind Quereinsteiger. Und wir freuen uns tierisch, dass es trotzdem so gut läuft“ Für sie steht ganz viel Spaß im Vordergrund. Der Ehrgeiz dürfe nicht fehlen, die sportliche Herausforderung und eine gute Konkurrenz wissen sie zu schätzen, aber angeschrien haben sie sich an Bord noch nie. „Wir sehen das nicht so verbissen.“ Konzentriert, aber entspannt und mit einem Lächeln auf dem Gesicht, so segeln sie ihre Regatten. Wenn jemand bei brenzligen Situationen hippelig werde, holen ihn die anderen wieder runter.

Der Blick auf den Navigationscomputer der Hinden.

Foto: Till Barth

Party verschlafen

Die anstrengende Nacht mit vielen Halsen hatte an ihren Kräften gezerrt. Die vier Freunde hatten sich in Kopenhagen in ein Hostel eingemietet, um am Abend traditionell den Geburtstag von Malte zu feiern. Der Gin stand bereit, Großes hatten sie sich vorgenommen und dann – passierte gar nichts. Wenn sie überhaupt feierten, dann in ihren Träumen, als sie fest schlummernd die Nacht verbrachten. Bestens ausgeruht, mussten sie feststellen, dass sie die Party verschlafen hatten.

Segeln mit Genuss: der Sonnenuntergang bei Gedser.

Foto: Till Barth

Auf den Weg nach Kiel

Nach dem Ruhetag fällt der Startschuss für die zweite Etappe zurück nach Kiel am Sonnabend um 10 Uhr. In diesem Jahr wird es dieselbe Route wie auf der Hinfahrt sein. Vorhergesagt ist Wind aus südlichen Richtungen. Also wird aus dem schnellen Downwindsurf vermutlich ein Ackern auf der Kreuz.

Bildnachweis Titelfoto: Till Barth

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