Buchstaben segeln

von Friederike Hiller

Ganz oder gar nicht, keine halben Sachen: Fenja Valentien hat sich für „ganz“ entschieden und die Bootsklasse gewechselt. Nachdem es im 49erFX nicht so lief, wie erhofft, ist die Studentin vor einem halben Jahr auf die foilende Waszp umgestiegen.

 

Kieler Woche 2021: Die Sonne scheint, es herrscht Flaute. Der letzte Tag der Regatten der nicht-olympischen Klassen bringt nur wenig bis gar keine Wasserzeit mit sich, dafür viel Zeit an Land. Für die Waszp Seglerinnen und Segler bedeutet das, dass sie insgesamt nur einen Tag segeln konnten – am Sonntag, mit viel Welle und Ostwind.

Foto: KielerWoche/Christian Beeck segel-bilder.de

„Ich bin gleich abgehoben.“

„Es ist eine neue Herausforderung. Es macht Spaß, das Boot ist schnell und ich habe richtig Bock drauf“, freut sich Fenja. Die Bootsklasse wachse in Kiel. Etwa 15 Seglerinnen und Segler gehören ihr dort an. So sei eine mehr oder weniger feste Trainingsgemeinschaft entstanden. Bereits bei ihrem ersten Training hat Fenja gemerkt, dass das genau die richtige Entscheidung war. „Ich bin gleich abgehoben.“ Ein kleiner Adrenalinkick beim foilenden Flug über das Wasser.

Foto: Friederike Hiller

Eine Waszp-Gemeinschaft

Wenn Fenja auf ihre Vorbereitung zurückblickt, seien es nur etwa zwei Monate Segelzeit gewesen, die sie nutzen konnte. Daher war auch der Tanz mit der Welle eine besondere Herausforderung. „Ich hatte das Gefühl, dass das Boot mehr mich unter Kontrolle hatte als umgekehrt.“ Nosedives waren die Folge. Und so gab es an diesem Tag keine Zahlen der Platzierungen für sie in der Ergebnisliste sondern nur Buchstaben: DNF (did not finish), DNC (did not come) und DNS (did not start). Fenja sieht es als gute Trainingseinheit. „Ich habe viel gelernt.“ Vom Handling bis zum Umgang mit Wellen und dem richtigen Timing war alles dabei. Ohne Coach bei einer Regatta zu sein, sei ein ganz anderes Gefühl. Das hatte sie bereits auf dem Wittensee bei ihrer ersten Regatta kennengelernt. Ihr Ziel war, nicht Letzte zu werden und das hatte geklappt. Jetzt ersetzt die Waszp-Segel-Gemeinschaft den Coach. „Alle sind sehr offen. Es ist eine coole Atmosphäre und ich kann mir Tipps bei den anderen holen.“

Foto: Kieler Woche/Christian Beeck segel-bilder.de

Trainings-Ansporn

Von der olympischen zur nicht-olympischen Bootsklasse, vom zweier zum ein-Frau-Team und vom Skiff zu den Foils. An Geschwindigkeit hat der Bootswechsel nicht eingebüßt. Doch mit dem Wechsel der Bootsklasse hat sich auch ein Wechsel in der Prioritätenliste von Fenja vollzogen. Stand vorher das Segeltraining an erster Stelle, ist es nun das Industriedesign-Studium an der Muthesius Hochschule in Kiel. Und obwohl die langen Tage intensiven Studiums die Motivation im Anschluss noch aufs Wasser zu gehen, in Grenzen halten, hat sich Fenja vorgenommen, mehr zu trainieren. Beim morgendlichen Laufen oder Workout klappe das schon ganz gut, nun müsse noch die Wasserzeit erhöht werden. Im kommenden Sommer möchte sie bei der WM am Gardasee starten und da wolle sie nicht nur Buchstaben segeln, das sei der Ansporn.

Bildnachweis Titelfoto: Christian Beeck/segel-bilder.de

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