Europe-Abschied, Offshore-Ausbau

von Friederike Hiller

Nass, kalt und ganz schön windig: Mehr als zweimal eine viertel Stunde Schlaf war in der Regattanacht zum Silbernen Band bei der Kieler Woche für Lina Rixgens nicht drin. Doch der Schlafmangel hat sich gelohnt, nicht nur die Manöver des Nachts im Svendborgsund klappten – das Team aus Hasso Hoffmeister und Lina Rixgens gewann auf der Mini 650 D2 „Husky“ Silber.

Heftig und nass

„Das war ziemlich heftig“, kommentierte Lina Rixgens. „Aber es hat Spaß gemacht.“ Kaputt und froh, dass sie sich durchgekämpft hatten, kamen sie wieder im Hafen von Kiel-Schilksee an. Für welchen Platz es reichen würde, war für die Zweimann- beziehungsweise Ein-Mann-und-eine-Frau-Crew schwer einzuschätzen. „Bei der ORC Wertung ist das schwierig.“

Sie hatte in die Runde der Segler gefragt, wer längere Regatten auf der Ostsee fährt und noch einen Platz für sie frei hätte. So kam das doublehanded Team zustande. „Es hat super geklappt. Wir haben gut zusammengearbeitet und wir haben uns trotz kompletter nässe motiviert.“

Zu dem Zeitpunkt, als das Silberne Band startete, hatte Lina Rixgens bereits eine Regatta in Beinen und Armen. Im ersten Teil der Kieler Woche, als noch die internationalen Jollen-Klassen segelten, saß sie im Europe.

Foto: L. Möller

Ihr Herz schlägt fürs Offshore-Segeln

Foto: blondsign/Eike Schurr
Foto: blondsign/Eike Schurr

„Im Europe war es der Test für die WM.“ Sie platzierte sich auf dem 22. Rang. „Es war anstrengend, aber ich konnte die Läufe gut durchziehen“, resümierte sie. „Es war ein schönes internationales Feld da.“ Es habe zwar nur für einen Platz im Mittelfeld gereicht. Doch in der Frauenwertung landete sie auf dem siebten Rang. Die WM wird in nach Geschlechtern getrennten Feldern ausgetragen. „Ich bin mehr oder weniger zufrieden. Aber es hat mich motiviert in Richtung WM.“

Eine Doppelbelastung in ganz unterschiedlichen Booten. Das reizt die Studentin. „Es ist schön, wenn man verschiedene Klassen segeln kann.“ Allerdings habe sie das Offshore Segeln für sich entdeckt und das nicht erst bei der Mini Transat im vergangenen Jahr. „Dafür schlägt mein Herz.“ Und so zeichnet sich bereits eine Präferenz ab, die sie in den kommenden Jahren ausleben will.

„Ich nehme jede Gelegenheit mit, Offshore zu segeln.“ Der Europe war die vergangenen sieben bis acht Jahre ihr Begleiter – eine intensive Phase. „Ich freu mich auf die WM als Abschluss“, gibt sie einen konkreten Ausblick.

Blick zur Zweihand-Mixed-WM

„Ich bin wahnsinnig gerne so lange unterwegs. Es ist eine ganz andere Herausforderung als in der Jolle.“ In dem Kielboot müsse man nicht nur sein Boot beherrschen sondern auch das eigene Management, wie Schlaf und Energiehaushalt. „Man hat ganz andere Möglichkeiten als in der Jolle.“ Wetterplanung oder Navigation nennt sie als Beispiele. „Die Boote sind super, das will ich auf jeden Fall weiter machen.“ Zum ersten Mal war sie auch auf einer Class 40 gesegelt. „Das ist noch mal eine Nummer größer.“ So steigt sie immer tiefer in die Dickschiff-Szene ein. World Sailing plane ab kommendem Jahr eine doublehanded Mixed-WM. Da wäre sie gerne dabei.

Nebenbei steht weiter ihr Medizinstudium an. Für ihre Teilnahme und die Vorbereitungen zur Mini-Transat-Regatta im vergangenen Jahr hatte sie es ausgesetzt. Da sie nun noch zwei Jahre habe, müsse sich ihren Fokus verstärkt darauf richten. Zwei Jahre hatte sie sich auf die Mini Transat vorbereitet. Die Etappen, in denen sie Tag und Nacht unter Spi die Wellen runtersurfte, sind ihr am meisten im Gedächtnis geblieben und haben ihre Faszination fürs Kielboot-Segeln noch verstärkt. Noch mal eine Transat segeln? Auch das könne sie sich vorstellen.

Bildnachweis Titelfoto: blondsign/Eike Schurr

Foto: blondsign/Eike Schurr

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