Eiskalter Regatta-Einstieg
von Friederike Hiller
Durchgefroren und durchgeschüttelt von Wind und Wellen waren die Seglerinnen nach drei Tagen auf der Ostsee. „Es war ein krasser Einstieg in die Saison“ fasst Kirsten Harmstorf-Schönwitz, Skipperin der „Tutima“, die Maior-Regatta zusammen.
Herausforderung für Mensch und Material
Am härtesten traf es die Segler am Freitag auf dem Stollergrund. Der Westwind blies mit bis zu 25 Knoten starken Böen und testete so die Standfestigkeit von Mensch und Material. „Der Freitag war echt grenzwertig, auch weil das Wasser noch so kalt ist. Wenn jemand reinfliegt, ist das nicht so witzig“ Frau über Bord-Manöver blieben bei der „Tutima“ aus, doch andere Vorschiff-Leute hatten nicht so viel Glück. Zwei gingen baden.
Foto: Christian Beeck (www.segel-bilder.de)
„Das ist nichts für Frostbeulen“
Feierabend hatte die Tutima-Frauencrew abends noch nicht, obwohl sie mit der DK46 wieder fest vertäut im Hafen lag. „Es gibt bei so viel Wind abends immer noch was zu basteln“, sagt Kirsten Harmstorf-Schönwitz. Beispielsweise hatte sich das Vorluk aus dem Rahmen gelöst, sodass das Wasser ins Schiff gelangen konnte. Es brauchte ein wenig Zeit bis das Boot und die klitschnassen Segel nach dem windigen Tag wieder hergerichtet waren. „Am Ende waren wir schon froh, dass es hinter uns lag. Es war einfach so kalt“, erklärte die Skipperin. „Das ist nichts für Frostbeulen wie mich“, sagt sie lachend.
Foto: Christian Beeck (www.segel-bilder.de)
Wenig Training, viel Rotation
An den Starkwindtagen zeigte sich für die „Tutima“-Crew, dass sie im Vorwege nicht viel Zeit fürs Training hatten. „Wir mussten auch Go4Speed auslassen und haben in der Woche vor der Maior nur einen Tag trainiert“, so die Steuerfrau. Die Routine, auf die das eingespielte Team normalerweise bei Starkwind zurückgreifen kann, musste erst neu erarbeitet werden. Bachelorarbeit, Umzug und andere Unwägbarkeiten einiger Crewmitglieder führten zu vielen Wechseln bei den Positionen. „Es braucht immer Zeit, bis Neue eingearbeitet sind und sich alle aufeinander eingegroovt haben.“
Zudem fehlte gerade am Freitag eine Person an Bord. „Das merkt man schon, wenn zwei Hände fehlen.“ Bei viel Wind gehe alles unfassbar schnell, zudem können zugerufene Anweisungen nur schwer verstanden werden. Nachdem es neben Wind und Wetter also noch weitere Themen gab, mit denen sich die Crew die ersten Tage herumschlagen musste, ließ der Wind am Sonntag nach und bereitet der „Tutima“ einen versöhnlichen Abschluss. Die Hektik auf dem Parcours ließ nach, die möglichen Sonnenschüsse anderer Boote mussten nicht mehr mit einkalkuliert werden, sondern die eigene Taktik konnte wieder verfolgt werden. „Die Manöver liefen wieder astrein. Wir konnten noch auf den achten Platz vorrücken. Am Ende sind wir durchaus zufrieden, wie wir uns durchgekämpft haben. Auch wenn wir uns etwas anderes erhofft hatten.“
Foto: Christian Beeck (www.segel-bilder.de)
Vorbereitungen für die Langstrecke
Die Maior Regatta war für die „Tutima“ Mädels zwar der Saison-Auftakt, aber in diesem Jahr sind Regatten dieses Formats für sie eher rar gesät. Der Fokus liegt auf dem Fastnet Race, das vom Ärmelkanal um den Fasnet-Rock vor Irlands südlicher Küste führt und Anfang August startet. Ende Mai beginnt daher für die Crew das Langstreckentraining. „Wir werden mit der Crew kreuz und quer über die Ostsee segeln und ausprobieren, welches Wachsystem am meisten Sinn macht, alle Positionen durchrotieren und Mann über Bord-Manöver üben.“ Ein komplettes Offshore-Trainings-Wochenende ist geplant, bevor es dann nach der Kieler Woche und Bornholm Rund im Juli nach England geht.
Bornholm Rund erfüllt mit knapp 300 Seemeilen die Voraussetzungen für die Qualifikationsregatta, die die Dickschiffe gesegelt sein müssen, um beim Fastnet starten zu können. „Ich habe durchaus Respekt vor der Irischen See. Daher wollen wir uns so gut es geht darauf vorbereiten und auch ein Überlebenstraining mitmachen.“ Bis zur Langstreckenregatta sei es noch ein langer Weg, viel Organisatorisches gibt es noch zu regeln und das Boot müsse „Tippi-toppi“ sein, damit es dem Check der Regatta-Organisatoren bestehe. Direkt im Anschluss an das Fastnet-Rennen will die Crew erneut die Cowes-Week segeln. „Das war der oberste Wunsch auf der Regattaliste.“
Bildnachweis Titelfoto: Segel-bilder.de