Einigung? Kitesurf-Verbände widersprechen

von Friederike Hiller

Einer Einigung im Streit um Kitesurf-Verbote, die in der letzten Woche in der Presse verkündet wurde, haben die federführenden Verbände nicht zugestimmt.

Kuratorien wollen 20 Kitesurf-Gebiete

Eine Einigung - zumindest auf behördlicher Ebene - im Streit um Kitesurf-Verbote im Wattenmeer an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste aus Vogelschutzgründen verkündeten die Nationalpark-Kuratorien von Dithmarschen und Nordfriesland in der vergangenen Woche. In diesen Gremien hätten sich die dort vertretenen jeweils 21 Mitglieder aus Anliegergemeinden, Tourismus, Wirtschaft, Naturschutzverbänden und Wissenschaft für etwa 20 Kitesurf-Gebiete ausgesprochen, wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ) berichtete. Demnach sollen die großen Strände der Inseln und St. Peter-Ordings sowie weitere Spots entlang der Küste erhalten bleiben. „Das Kiten gehört auch in den Nationalpark, aber dort, wo es ökologisch verträglich ist“, zitiert der SHZ den Nationalpark-Chef Detlef Hansen.

Kitesurf-Verbände irritiert

Diese als Einigung deklarierte Entscheidung der Kuratorien löste eine Verwirrung unter den überregionalen Kitesurf-Verbänden aus, die momentan in Gesprächen mit Umweltminister Robert Habeck über Kitesurf-Zonen und –verbote diskutieren. „Es wurden Entscheidungen ohne die Vertreter der Kitesurfer getroffen. Die lokalen Kitesurfvereine wie beispielsweise BoardSPOrt sowie die überregionalen Vertreter der kitesurfenden Urlauber waren nicht eingeladen“, erklärt Martin Motzek vom Verein Love it like a local (Lilal), der bundesweit die Interessen der Kitesurfer vertritt. Auch der Deutsche Segler-Verband, der für alle emissionsfreien Segelsportarten zuständig ist – somit auch für das Kitesurfen – betont, dass es sich um eine interne Einigung von schleswig-holsteinischen Institutionen handelt und der DSV dieser nicht zustimmt. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass der DSV sich weiterhin für eine Gleichbehandlung der emissionsfreien Segelsportarten ausspricht und somit auch gegen ein grundsätzliches Verbot des Kitesurfens im Wattenmeer. „Ein solches grundsätzliches Verbot ist auch mit Ausnahmevorbehalt weder naturschutzfachlich noch aus sonstigen Gründen gerechtfertigt.“

Natur in dafür eingerichteten Zonen schützen

„Am 10. Februar 2016 hieß es von Seiten des Umweltministers Habeck, das generelle Kiteverbot sei vom Tisch“, betont Martin Motzek. Für die Vertreter der aktiven Kitesurfer kommt ein Kitesurfverbot, das an rund 20 Gebieten/Spots durch Zonen aufgehoben wird, in denen das Kitesurfen erlaubt ist, einem generellen Kiteverbot gleich. Sie hatten für eine generelle Erlaubnis mit Ausnahme von Schutzzonen, in denen alle emissionsfreien Segelsportarten ausgeübt werden dürfen, plädiert. „Noch immer ist keine Notwendigkeit sichtbar, etwas verschärft regeln zu müssen. Gegen lokale Schutzzonen ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil diese wären sogar richtig gut für den Naturschutz, aber nur, wenn sie für alle emissionsfreien Wassersportarten gleichermaßen gelten“, so Motzek. Ein generelles Verbot für Kitesurfer denunziere eine Minderheit und werde von keinem Verband getragen.

Weitere Gespräche mit überregionalen Vertretern der Kitesurf-Szene

„Unabhängig von Nachweisen, dass Vögel sich primär in windgeschützten Bereichen zwecks Nahrungssuche und Rast aufhalten (in denen aber nicht gekitet wird, weil dort zu wenig Wind ist) und unabhängig von der widerlegten Scheuchwirkung von Drachen, aufgrund der Tatsache, dass Vögel ihr Sehvermögen im UV-Spektrum nutzen, wird die Stigmatisierungskampagne gegen diesen Familiensport fortgesetzt“, interpretiert Motzek den Vorstoß der Nationalparkverwaltung.

Beim Landesumweltministerium freue man sich über die gemeinsame Linie der Kuratorien mit dem Melur, berichtete der SHZ. Die Gespräche mit den überregionalen Vertretern würden auch weiter geführt und abgewartet, bevor ein Antrag auf Änderung der Befahrensverordnung für den Nationalpark ans Bundesverkehrsministerium gehe. Aufgrund dieser Gespräche waren die Vertreter der Kitesurfer verwundert, dass bereits von einer Einigung gesprochen worden sei.

Wer steht wie zum Kiteverbot?

Verhandlungen, in die nicht alle Akteure mit eingebunden sind, hatten bereits Anfang des Jahres für Unmut gesorgt. „Das Umweltministerium hatte zu Beginn der Gespräche nur mit Kiteschulen verhandelt. Dieses wurde bundesweit von den Kitesurfern stark kritisiert, worauf es am 10. Februar zum großen Gipfeltreffen der ordentlichen Kiteszene kam die sich daraufhin schnell formiert hatte“, blickt Martin Motzek zurück. Lilal unter der Schirmherrschaft von Profi-Kiter Mario Rodwald hatte sich bereits um den Jahreswechsel organisiert, um mit einer Stimme für Kitesurfer sprechen zu können. Die vielfältigen Interessen sind auch im weiteren Verlauf sichtbar. Während DSV und GKA federführend für die Kitesurfer in Verhandlungen mit Umweltminister Robert Habeck stehen, scheint es als ob nicht alle an einem Strang ziehen. Lilal habe erfahren, dass der Verband Deutscher Wassersport Schulen (VDWS) die Position Habecks unterstütze und einem generellen Kiteverbot mit bestimmten Erlaubniszonen zustimme. Dies veranlasste Lilal, Kiteschulen anzuschreiben und nach ihrer Meinung zu dem geplanten Verbot zu fragen. Eine Unterlassungserklärung, die Lilal erhielt, war die Folge. Lilal veröffentlichte auf der Facebook-Seite einen Ausschnitt eines Gesprächs zwischen Vertretern der Kitesurf-Szene und Robert Habeck vom 7. Juni. „Thomas Weinhard (1. Vorsitzender) hat für den VDWS folgende Position vertreten: Der VDWS kann mit der jetzt vorgestellten Gebietskulisse und dem von Dr. Habeck insoweit vorgelegten Vertragsentwurf gut leben und würde demzufolge das Vorhaben im Sinne von Dr. Habeck durch die Unterzeichnung eines entsprechenden Vertrages unterstützen.“

Demnach wäre das Kiten im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer nur noch in rund 20 speziellen Kiteszonen erlaubt, resümiert Lilal. Der VDWS wollte sich auf Nachfrage gegenüber Coastwriter nicht in Bezug auf seine Position zu dem Kitesurfverbot äußern, sondern verwies auf die laufenden Verhandlungen.

 

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Bildnachweis: Lens Envy/flickr.com (CC BY-NC 2.0)

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