Seglerinnen zeigt Euch

von Friederike Hiller

Ungefragte Ratschläge, skeptische Blicke: Eine Frau am Steuer eines Bootes passt immer noch für viele nicht in ihr Rollenverständnis. Doch es gibt sie, die Schiffsführerinnen. Nur sind sie nicht so präsent. Das möchte die Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbandes ändern und hat einen Skipperinnen-Preis ins Leben gerufen. Wie der Preis künftig genau heißen soll, steht noch nicht fest. Vorschläge können noch eingereicht werden und es gibt auch etwas zu gewinnen.

Im Leistungssportbereich zeigen segelnde Frauen und Mädchen ihre Klasse, ergänzen sich mit den männlichen Athleten perfekt in Mixed Teams und sind auch im Offshore Segeln präsent. Doch wie sieht es im Fahrtensegeln aus? Beim Fahrtenwettbewerb der DSV Kreuzer-Abteilung seien unter 79 eingereichten Fahrten im vergangenen Jahr nur sieben unter einer Schiffsführerin gewesen. Anlass genug mit „Frauen ans Ruder“ Fahrtenseglerinnen zu motivieren, das Steuer zu übernehmen und sich zu zeigen.

Klassische Rollenverteilung auf Segeltörns

„Wenn ich bei den eigenen Törns auf die anderen Boote schaue, so sehe ich überwiegend die ,klassische’ Rollenverteilung: Der Mann steht am Ruder und gibt die Kommandos; die Frau befestigt die Fender und Leinen, geht von Bord beim Anlegen und legt die Leinen über die Heckpoller“, berichtet Clemens Fackeldey, Obmann der DSV Kreuzer-Abteilung. Missglücke ein Manöver, höre man nicht selten unschöne Worte vom Rudergänger. „Wie würde es aber aussehen, wenn die Frau am Ruder steht und der Mann die verantwortungsvollen Aufgaben beim An- und Ablegen übernimmt?“, fragt sich Clemens Fackeldey.

Er höre in Gesprächen mit Frauen häufig, dass sich diese die Manöver am Ruder nicht zutrauen. „Und außerdem ist das Steuern eines Bootes durch eine Frau noch nicht so selbstverständlich wie beim Auto.“ Traditionell hätten die Frauen eher selten einen Segelschein gemacht, trauten sich dies daher nicht so zu. „Hier spiegeln sich auch die Vereinsstrukturen wider. Traditionell war der Mann Vollmitglied in einem Verein, die Frau ist meistens als Familienmitglied sozusagen dabei.“

Foto: Annette Ocean's Eleven GmbH

Skeptische beobachtende Blicke

Diese alten Strukturen seien allerdings in den jüngeren Generationen im Fahrtensegeln bereits aufgebrochen und beide Partner gleichberechtigt. „Sie teilen sich meist die Schiffsführung. Die Frauen haben eine solide Segelausbildung und fahren selbstverständlich die Manöver. In den skandinavischen Ländern ist dies schon sehr viel länger eine Selbstverständlichkeit“, blickt Clemens Fackeldey über die Landesgrenzen gen Norden.

„Bei meiner Frau und mir an Bord sind schon seit Jahren die Rollen sozusagen vertauscht und es funktioniert sehr gut. Was mich immer wieder wundert ist, dass unsere Manöver sehr skeptisch verfolgt werden und ,allwissende’ Männer meiner Frau Ratschläge für Manöver geben wollen. Sie sind immer verwundert, wie souverän das Manöver von einer Frau gefahren werden kann.“

Foto: Inken Greisner

Name für Skipperinnen-Preis gesucht

Beispiele, in denen Frauen das Steuer übernehmen, gibt es viele. Trotzdem mache die DSV Kreuzer-Abteilung die Erfahrungen, dass in den Medien meist nur von Törns unter einem Schiffsführer berichtet werde. „Auch bei dem jährlichen Fahrtenwettbewerb reichen fast nur Schiffsführer ihre Fahrten ein. Die Anzahl der Schiffsführerinnen ist sehr gering.“ Um Frauen im Fahrtensegelsport zu zeigen, wurde daher der Wanderpreis eingeführt. „Mit dem Skipperinnen-Preis wollen wir ein Zeichen setzen. Er soll segelnde Frauen sichtbarer machen und weitere Frauen motivieren, es ihnen gleich zu tun.“ Die Auszeichnung gehe an die beste Reise unter einer Skipperin. Nun muss für den Preis nur noch ein kreativer Name gefunden werden. Der Arbeitstitel Skipperinnen-Preis soll ersetzt werden. Daher sind alle Seglerinnen aufgefordert, Vorschläge bis zum 30. September unter diesem Link einzureichen. Wenn die Jury den Namen ausgewählt hat, winkt der Siegerin als Preis eine Teilnahme an einem Segeltraining für Frauen. Weitere Infos zum Nachlesen gibt es bei der DSV Kreuzer-Abteilung.

Bildnachweis Titelfoto: Waltraud Degenhardt

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