Auf Winddreher eingegroovt
von Friederike Hiller
„Was haben wir zu verlieren, außer Letzter zu werden?“ Gelassenheit ist eines der neuen Trainingsziele der DSV Rookie Crew, die in ihrer zweiten Saison für den Helga Cup auf der Alster trainiert. Als sie nach langer Winterpause wieder aufs Wasser gingen, waren sie „echt aufgeregt“.
Selbstbewusste Windansagen
„Wir waren geflashed von uns selbst“, berichtet Taktikerin Barbara Weselmann. Als gut eingespieltes Team konnten sie auch ohne Trainer ihre ersten Wassereinheiten segeln. „Wir sind bei den To Dos an Bord nicht mehr bei Null wie noch beim ersten Mal.“ Im vergangenen Jahr hatten die Fahrtenseglerinnen das Projekt Regattasegeln begonnen und sind dabei geblieben – wenn auch in einem leicht veränderten und vergrößerten Frauen-Team. (Mehr zum Team „Rookies in Rotation“)
So können zwei Teams gebildet werden: Mit Lina als Skipperin, Sophie Vorschiff, Anke Trimm und Barbara Taktik oder mit Maxi als Skipperin, Nina Vorschiff, Anke Trimm und Barbara Taktik. Zudem steht als Ersatzfrau noch Andrea bereit. Die beiden Helga-Cup Seglerinner des vergangenen Jahres Anke Barbara werden immer sicherer. „Auch das Erklären von Handgriffen an Board lässt uns selbstbewusster werden. Ich habe gestern die Windansagen übernommen und sogar einen Winddreher voraussagen können“, freut sich Barbara.
Foto: DSV Rookie Crew
Start um Start um Start
Während die Crewmitglieder die Ostertage gemütlich mit den Dickschiffen in Lemkenhafen auf Fehmarn verbringen, war das vergangene Wochenende um so sportlicher. Auf ein hartes Training mit Tobias Schadewaldt auf der Alster folgte ein weiterer eigener Trainingstag. Nach drei Tagen am Stück waren alle froh, ihre Muskeln abends auf dem Sofa entspannen zu können. „Trotz blauer Flecken und Muskelkater sind wir echt heiß auf die Regatta.“ In Böen hatte der Wind am Wochenende ordentlich zugelegt bis zu fünf Beaufort, schätzt Barbara. „Das war schon anstrengend.“
Sieben Starts am Stück, dreimal hintereinander – hoch konzentriert arbeiten die Frauen an Bord. „Teilweise waren wir auch frustriert, wenn es nicht so gut geklappt hat.“ Üben, üben, üben. Einen Start segelte ihnen Tobias sozusagen vor. „Wir sind den nächsten Start dann nachgesegelt und haben das umgesetzt, was Tobias uns vorgemacht hat. Wir sind als zweite über die Startlinie und waren geflashed, wie es plötzlich geht.“
Foto: Sven Jürgensen
Die blaue Piste der Regatta
Startsituationen werden definitiv weiterhin auf ihrer Trainingsliste stehen. Beobachtungen an der Startlinie, wo das Boot und die Gegner sich befinden und welche Startlinienvorteile sie mitnehmen wollen, gehören zu den zukünftigen taktischen Entscheidungen rund um den Start. „Wir haben gelernt die Startsituationen wie Pisten beim Skilaufen einzuteilen. Wir wollen uns mit den blauen vertraut machen.“ Sich vorne an die Linie zu legen und zu gucken, sei eher die schwarze Piste, damit bräuchten sie sich eher nicht auseinandersetzen. Die blaue - aus der Fahrt heraus auf dem richtigen Bug die Startlinie zu überqueren - sei das Übungsziel.
Foto: Sven Jürgensen
„Das müssen wir schneller hinbekommen“
In kleinen Match Races agierten sie hektisch. Tobias Tipp: Mit mehr Gelassenheit und Entspannung in die Races gehen. Nach dem Motto: „Was haben wir zu verlieren, außer Letzter zu werden.“ Doch neben den Tipps für Verbesserungen lobte der Coach auch, dass die Manöver gut liefen. Allerdings: „Für ihn waren wir noch sehr langsam. Das müssen wir schneller hinbekommen“, lacht Barbara.
Und das Timing bekommt noch einen Schliff. „Den Spinnaker können wir ruhig ein bisschen eher runter nehmen und dann früher wieder hochgehen und so weniger Geschwindigkeit verlieren.“
Viel besser als beim ersten Mal laufe mittlerweile die Kommunikation an Bord. „Da müssen wir aber noch besser werden und die ganze Zeit miteinander sprechen.“ Sie haben so viel im Kopf, denken nach anstatt die anderen bei den Gedanken mitzunehmen. Auch müsse darauf geachtet werden, die anderen nicht mit der eigenen Hektik anzustecken.
Foto: Sven Jürgensen
Gesettelt und Happy
„Wir sind viel gesettelter und sicherer als beim letzten Mal. Wir sind weiterhin mit Spaß dabei und freuen uns, dass es für uns gut klappt.“ Über das Handling müssen sie nicht mehr so viel nachdenken. So habe sie nun mehr ein Auge für die Wettfahrt, für taktische Überlegungen und die Starts.
Mitte bis Ende Mai steht noch ein Trainingscamp auf dem Möhnesee an. Das wird fast den Abschluss des Trainings vor dem Helga Cup markieren. „Wir sind in einer guten Verfassung und auch ganz happy, dass wir mitbekommen haben, dass auch andere noch an ihrer Schnelligkeit arbeiten müssen.“
Bildnachweis Titelfoto: Sven Jürgensen
Foto: DSV Rookie Crew