Kampfeswille trotz fehlendem Losglück

von Friederike Hiller

„Heiß auf mehr“ und „weiter hart trainieren“ sind sich die foilenden Kiter Florian Gruber, Jannis Maus, Jan Hauke Erichsen und Leonie Meyer bei der Weltmeisterschaft in Aarhus einig. Sie kämpfen um Punkte, Platzierungen, Erfahrungen und weiter nach vorne zu kommen.

„Lust auf mehr“

Alle vier Jahre treffen sich die Segler der olympischen Segelklassen zu den Sailing World Championships, um sich direkt für die kommenden olympischen Spiele zu qualifizieren. Zum ersten Mal sind auch die Kiter auf Foilboards mit am Start. Während sich die Windsurfer bereits als Brettsportler mit ihren RS:X im Feld der Jollen, Skiffs und Kats etabliert haben, ist es für die Kitesurfer noch ein recht neues Umfeld. Bereits vor wenigen Wochen fuhren sie bei der Warnemünder Woche inmitten der Segler die EM der Formula Kite aus. Doch einigen Athleten ist das Prozedere bereits bestens bekannt, da sie vom Boot- auf den Brettsport umgestiegen sind.

„Es macht so viel Spaß zu den anderen Bootsklassen zu fahren, die ich aus meiner olympischen Kampagne noch kenne. Ein tolles Wiedersehen - und mir macht es unfassbar viel Lust auf mehr“, freut sich Leonie Meyer, die vom 49erFX kommt. „Ich bin sehr dankbar, dass ich mich mit den besten der Welt messen darf“, ist auch Jan Hauke Erichsen froh, dass der Umstieg vom Nacra 17 aufs Kite Foiling geklappt hat.

Foto: Sailing Energy

Alles andere als einfach

Die Bedingungen bei den Weltmeisterschaften waren bisher alles andere als einfach. „Am ersten Tag war der Wind komplett ablandig und hat im Laufe des Nachmittags bis auf 25 Knoten zugenommen“, berichtet Detlef Groebert, der Coach des deutschen Teams. Während die Kiter bereits auf dem Wasser waren, dauert es noch über eine Stunde bis der passende Kurs ausgelegt war. „Jannis war beispielsweise um die drei Stunden ohne Pause auf dem Wasser. Obwohl es die Bedingungen nicht möglich machten, draußen entspannt zu fahren. Es herrschten kräftige Böen mit Winddrehern“, so der Coach. Nachdem am zweiten Tag nur ein leichtes Lüftchen wehte, das nach dem ersten Rennen komplett einschlief, drehte der Wind schließlich auf Ost. „Es wurden alle Rennen praktisch ohne Unterbrechung (Start alle sechs Minuten) durchgefahren. Leider erwischte Leonie ein Windloch und musste per Boot zurück. Flo und Jannis fuhren gute Rennen, gerade Jannis kommt immer besser in den Wettkampf rein. Flo fuhr letztendlich auch einen Sieg ein.“

Foto: Sailing Energy

Weiter trainieren, weiter kämpfen

Das Feld der Männer mit 65 Startern dominieren die Franzosen und Briten, die die ersten acht Plätze unter sich verteilt haben. Florian Gruber hat die Top 10 knapp verpasst. „Leider lief es insgesamt nicht ganz so gut. Am ersten Tag bin ich in der schwersten Gruppe gestartet und habe ein paar kleine Fehler gemacht, dann bin ich die letzten Tage aber besser gefahren. Jetzt konnte ich in meiner Gruppe immer gut unter die besten 3, besten 4 fahren.“ Doch leider habe es um zwei Punkte nicht für die Top 10 gereicht. „Mit etwas mehr Losglück bei der Gruppeneinteilung am Anfang wäre Top 10 auf jeden Fall möglich gewesen. Deshalb bin ich ein bisschen enttäuscht, weil das mein großes Ziel war. Weiter hart trainieren, nächste WM kommt ja bald wieder.“

Jannis Maus nutzte vor der Einteilung in die Gold-, Silber und Bronzegruppen die Chance, in die Top 20 zu fahren und so noch um die Plätze zwischen 11 und 20 kämpfen zu können. „Für mich ist der Wettkampf ziemlich schwierig gestartet, Flo und ich hatten eine sehr starke Gruppe. Deshalb sind wir auf einem Platz sehr weit hinten eingestiegen. Ich sogar auf Platz 27, wo ich mich überhaupt nicht einordne. Am ersten Tag sind die Gruppen erstmal so gesetzt und da muss man sich etablieren in der Rangliste. Der zweite Tag war dann schon erheblich besser, da bin ich dann auf Platz 22 vorgefahren. Und heute sind wir zwar nur ein Rennen gefahren, aber da bin ich so gut gefahren, dass ich mich auf den 19. vorgekämpft hab und damit bin ich super zufrieden. Morgen geht’s natürlich noch weiter, vielleicht ist noch der ein oder andere Platz drin“, so Jannis am Mittwochabend.

Jan Hauke Erichsen lag nach dem Rennen am Mittwoch auf Platz 43. „Ich bin mit dem bisherigem Wettkampf sehr zufrieden. Da es erst mein zweiter großer Wettkampf im Kitefoilen ist, bin ich ohne Erwartungen an den Start gegangen. Ich habe gute Momente und bin bei den schwierigen Bedingungen um den Kurs gekommen“, lautet das Zwischenfazit des Flensburgers.

Foto: Sailing Energy

Wieder im olympischen Kreis

Da das polnische Nachwuchsteam nicht mit am Start ist, ist mit elf Kiterinnen die Konkurrenz bei den Frauen nicht ganz so groß wie bei der EM. Doch ihre Stärke beweist die Amerikanerin Daniela Moroz auch im dänischen Aarhus. Sie fährt einen Sieg nach dem anderen ein. „Leonie liegt auf Platz sieben, das sollte sie gut halten können, nach oben ist schon etwas größerer Abstand“, erklärt Detelf Groebert. „Insgesamt fährt sie konstant in ihrem Bereich und kommt immer dichter an die vor ihr platzierte Fahrerin.“ Die Mädels vor ihr seien zwar noch ein Stück besser, aber zumindest an der Luvtonne könne sie auch bei den ersten Fünf mithalten, ergänzt Leonie Meyer. „Die Bedingungen hier sind leider sehr durchwachsen und eher anspruchsvoll. Einige Tage viel Wind, aber leider ablandig. Dann kam genau das untere Wind-Limit. Ich hatte leider ein bisschen Pech und mir ist zweimal bei zu wenig Wind der Kite heruntergefallen. Aber mit den Ergebnissen in den Rennen, an denen ich teilgenommen habe, bin ich super zufrieden“, erklärt Leonie. Die meiste Zeit klappen die Manöver besser als gedacht und sie falle nur noch sehr selten rein. „Ich freue mich gerade einfach wahnsinnig, dass ich schon so gut mitfahren und dass ich endlich wieder im olympischen Circle dabei sein kann. Nach meinem Examen heißt es nur noch trainieren und dann gleich zum nächsten internationalen Event nach Sardinien! Ich bin richtig heiß jetzt.“

Bildnachweis Titelfoto: Sailing Energy

Foto: Sailing Energy

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