Große Nähe auf großem Ozean

von Friederike Hiller (Kommentare: 1)

Freudig, mit einem zufriedenen Blick zurück und einem optimistischen und neugierigen Blick in die Zukunft, so zeigte sich Boris Herrmann bei der Presse-Konferenz einen Tag nach seiner Ankunft in Les Sables-d’Olonne an der französischen Atlantikküste. Und nachdem er in 80 Tagen alleine um die Welt gesegelt ist und als fünft Platzierter die Vendée Globe beendete.

 

Kurz vor dem Zielleinlauf wurde das Rennen zum Nervenkitzel, als er in der Nacht einem Fischkutter zu nah kam. Schuldzuschreibungen gab es nicht. Er habe mit der Reederei telefoniert. „Es gab keine Vorwürfe. So ein Unglück passiert“, erklärte Boris. „Ich habe den Fischern einen kleinen Schreck eingejagt und das tut mir leid.“ Aber zum Glück sei niemandem etwas passiert. Das Fischerboot bezeichnete er als riesen Stahlschiff, dass gegen seine „kleine Plastikflunder“ widerstandsfähiger sei. Warum die Fischer ihn nicht gesehen haben, erklärt sich Boris durch die Arbeitsbedingungen. Wahrscheinlich haben sie mitten im Nebel im hellen Licht der Scheinwerfer gestanden und durch die Wolke aus Licht nicht sehen können, was in der Dunkelheit dahinter passierte.

Foto: Martin Keruzoré / Team Malizia

Kommunikation als kleine Pause vom Rennen

Aufregung und Anstrengung der vergangenen 80 Tage wichen dann am Abend der Erschöpfung. „Ich habe wie ein Stein geschlafen“. Erst seine kleine Tochter konnte ihn am Morgen wieder wecken.

Das gemeinsame Beisammensein habe er genossen. Die Einsamkeit des Rennens begann für Boris bereits zwei Wochen vor dem Start. Um nicht durch eine mögliche Infektion mit dem Corona-Virus von der Regatta ausgeschlossen zu werden, hatte er sich bereits im Vorfeld in Isolation begeben. Und in der Einsamkeit habe er entdeckt, welche unheimliche Kraft es habe, Sprachnachrichten zu verschicken. So sei er auch alten Freunden wieder nahe gekommen, während er vor seinem gefriergetrockneten Essen saß, sich dies zubereitete und den Sprachnachrichten lauschte. Der Austausch über intensive, gedankenvolle Sprachnachrichten biete auch eine Chance in der Corona Zeit. So zieht er eine Parallel zwischen der Einsamkeit auf dem Boot und dem Social Distancing an Land. Zu reden, auch in den Videokonferenzen, habe ihm auch immer wieder geholfen, sich seiner Selbst zu vergewissern. „Ich spreche, also bin ich“, sei sein Credo gewesen. Das Erlebte zu erzählen, ist ihm auch hier an Land wichtig. Diejenigen, die nicht nur gerne zuhören und neugierig sind, auf seine Erfahrungen sondern sie auch bestens nachvollziehen können, sind die anderen Segler*innen. „Ich hatte mit ein paar Seglern einen guten Austausch. Wir haben einen großen gegenseitigen Respekt.“ Man sehe sich als Weggefährten, als Bruder. „Keiner kann sich besser vorstellen, was wir durchgemacht haben, als wir gegenseitig. Wir können nonverbal kommunizieren.“ So verbunden zu sein, schaffe eine große Nähe.

Foto: Boris Herrmann/Seaexplorer - Team Malizia, Vendée Globe 2020/2021

Mit Sportsgeist der Klimakrise begegnen

Diese Reise habe ihn verändert. Er habe viel über sich, das Boot und das Segeln gelernt. Aber am meisten über sich. „Das Mentale ist die größte Herausforderung. Die Kraft im Kopf und im Herzen zu haben.“ Das Ziel zu erreichen, sei auch eine Erfahrung der Selbstwirksamkeit gewesen und die Erfüllung eines Traumes. Die Möglichkeit Dinge möglich zu machen, beflügelt. „Es ist wichtig, daran zu glauben, dass es geht, Lösungen für den Klimawandel zu finden.“ Die Chance der Reise liege also auch darin, Menschen zu inspirieren. Und eine wichtige Klimabotschaft zu senden. Die Daten dafür zu sammeln, sei ein wichtiger Bestandteil der Reise gewesen. Es brauche auch den Sportsgeist aus Pragmatismus und Optimismus, um an die Klimakrise heranzugehen. „Wir können heute anfangen, kleine Schritte zu gehen. Es ist ein Rennen und wir können es uns nicht erlauben, es nicht zu gewinnen. Aber wir stehen erst am Anfang.“

Foto: Boris Herrmann Racing/Seaexplorer - Team Malizia, Vendée Globe 2020/2021

„Ich liebe den Sport“

Nach der Pressekonferenz wolle er noch nach dem Boot schauen. Sobald das Boot wieder fit ist wolle er auch wieder mit Freunden oder Interessierten segeln. „Ich liebe den Sport. Ich liebe das Schiff. Es ist ein phänomenales Gefühl, wenn es anfängt zu foilen. Das teile ich gerne mit anderen.“ Und bis das Boot wieder soweit ist, werde er vielleicht erst einmal Kiten gehen.

Bildnachweis Titelfoto: Martin Keruzoré / Team Malizia

Foto: Boris Herrmann/Seaexplorer - Team Malizia, Vendée Globe 2020/2021

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Gravatar von Simon

Simon

Boris for President
A race we must win! Na denn man tau mit Vollgas zur Klimaneutralität.

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