Die erste Kiterin bei Olympia

von Friederike Hiller

Wenig Wind, aber viele Eindrücke erwartet die Segler und die Kiterin bei den Olympischen Jugendspielen im argentinischen Buenos Aires. Vier Trainingstage waren eingeplant – allesamt verstrichen ungenutzt aufgrund des lauen Lüftchens. Auch zum Start der Spiele ließ der Wind zunächst auf sich warten. Erst am zweiten Tag konnten die Kiter aufs Wasser und so auch Alina Konelli – die einzige deutsche Kiterin, die sich für die Youth Olympic Games qualifiziert hat – und ganz vorne liegt.

Fünf Rennen, vier Siege

Nach fünf Rennen und vier Siegen liegt Alina momentan in Führung. „Bei mir läuft es wirklich sehr gut zurzeit“, freut sich die 18-Jährige, die stolz darauf ist, die erste Kiterin zu sein, die für Deutschland bei Olympischen Jugendspielen startet und überhaupt in olympischer Atmosphäre kitet. „Die Konkurrenz ist mega stark.“ Zwölf Mädels haben sich für die Olympischen Jugendspiele qualifiziert. Das Feld ist in A- und B-Finale aufgeteilt, sodass jeweils sechs gegeneinander antreten. „Ich kenne fast alle meine Konkurrentinnen schon von den letzten Events und weiß, dass sie auch sehr gut fahren und es immer enge Rennen sind.“ Ihre Fehler der Vergangenheit konnte Alina ausmerzen. Und ohne Frühstarts und Strafpunkte kann sie nun zeigen, was in ihr steckt. „Jetzt fahre ich konzentrierte, starte besser und vermeide Fehler.“ Alina genießt die Atmosphäre, liefert gute Rennen ab und „ich werde die nächsten drei Tage genau so weiter machen und mein Bestes geben.“

Foto: Matias Capizzano / World Sailing

Hoch zufriedener Trainer

„Bisher kann ich hoch zufrieden sein. Es lief perfekt und in Führung liegend, kann es am besten nur so weitergehen“, erklärt auch ihr Coach Detlef Groebert. „Der Einzug ins Finale und um Gold mitfahren ist realistisch.“

Nachdem am ersten Tag bereits nach den Vorläufen der Wind eingeschlafen sei, ging es am Dienstag richtig los mit dem Wettkampf. „In ihrem ersten Vorlauf hat Alina einen kleinen Fehler begangen, so dass sie „nur“ ins B-Finale kam. Das Ergebnis daraus, der 8. Platz, ist inzwischen gestrichen. Die beiden folgenden Elimination hat sie dann aber souverän gewonnen, so dass sie im Moment in Führung liegt“, fasst der Coach zusammen. Am Mittwoch steht sie wieder im A-Finale, ob sie überhaupt aufs Wasser kommt, war zunächst abermals fraglich. „Der Wind ist wieder sehr leicht, so dass es wohl wieder knapp werden kann“, vermutete Detlef Groebert noch am Morgen, doch dann frischte der Wind auf und es konnte gestartet werden.

Foto: Matias Capizzano / World Sailing

Strömung und leichte Winde

Insgesamt sei es eher ein Leichtwindgebiet, das es für die Kiter etwas schwieriger mache. „So hatten wir im Vorfeld keine Möglichkeit zu trainieren, da an den vier Trainingstagen kein kitebarer Wind vorherrschte. Somit sind alle mehr oder weniger ohne vorbereitendes Training in den Wettkampf gegangen“, erklärt Detlef Groebert.

Weiterhin sei der Spot geprägt durch die Strömung des einlaufenden Flusses, der Gezeiten und der shiftenden Winde, vor allem wenn sie aus Richtung Stadt wehen. „Dies macht es insbesondere für die Kiter sehr tricky ins Wasser zu kommen, wie auch wieder zurück von der Competition Area zum Land. Ansonsten ist das Wasser sehr flach hier, wir hatten auch 3-4 Kilometer draußen noch Stehbereich um einen Meter.“ Zudem sei die Renn-Area ziemlich weit vom Strand weg, sodass mal schnell an Land und Material tauschen oder ähnliches schwierig sei, berichtet Alina.

Foto: Matias Capizzano / World Sailing

Nacra15 Segler komplettieren Team

Neben der Kiterin haben sich noch die Nacra15-Segler Silas Mühle und Romy Mackenbrock für die Olympischen Jugendspiele qualifiziert und komplettieren das deutsche Team in Buenos Aires. Nach neun gesegelten Rennen liegen sie momentan auf dem sechsten Rang.

Foto: Matias Capizzano / World Sailing

Alles andere als sauber

Foto: Matias Capizzano / World Sailing

Außer kleinen Blessuren und eine leichte Erkältung die Nacra15-Vorschoterin Romy bereits mit nach Argentinien gebracht hatte, sind alle fit. Wer den Fluss sieht, der direkt beim Segel- und Kitespot ins Meer mündet, dem keimten Befürchtungen. „Er liegt direkt an einer Flussmündung und dies macht das Ganze ein bisschen weniger schön, denn das Wasser ist alles andere als sauber. Es wurden zwar regelmäßig Messungen gemacht, die besagen, dass es keine krankmachenden Keime enthalten soll, jedoch sind Kiter, die schön früher hier zum Training waren, reihenweise krank gewesen, mit Infekten oder Magen Darm“, so der Coach. Ein wenig beschwerlich ist auch die Anreise vom Olympischen Jugenddorf bis zum Spot. Täglich etwa vier Stunden sitzen die Athleten im Bus, um zum Wasser und wieder zurück zu gelangen. Doch dafür erleben sie den kulturellen Nationenmix hautnah. Über 5000 Aktive und Betreuer aus 204 Nationen sind vor Ort. „Die Ankunft in Buenos Aires war schon überwältigend. Die Organisation und Logistik ist beeindruckend. Auch die Tatsache, dass man auf einem kleinen Stück Erde, ein paar Häuserblocks, die ganze Welt zusammen hat“, berichtet Detlef Groebert.

Bildnachweis Titelfoto: Matias Capizzano / World Sailing

Zurück

Einen Kommentar schreiben