Tiefseetaucher oder Überflieger

von Friederike Hiller

„Eine große Welle ist eine große Herausforderung“, sagt Alica Stuhlemmer. Zusammen mit Steuermann Paul Kohlhoff trainiert sie auf dem Nacra17 in Japan und blickt auf das anstehende Testevent für die kommenden olympischen Spiele. Immer dabei die besten Techniken gegen die Hitze, das Eintauchen in die Welle und die Sprachbarriere. Ready to go!

Sie schießen aus der einen Welle heraus und crashen in die nächste hinein. Machen sozusagen eine Vollbremsung. „Unser Boot kann über die Welle nicht einfach so drüber foilen“, erklärt Alica Stuhlemmer. „Wenn die Wellen zu groß sind, machen wir immer gerne den Tiefseetaucher oder den Überflieger.“ Daher sei es gut, momentan so eine hohe Welle zu haben. „Wenn dann noch ein bisschen Wind dazu kommt, wird es wahrscheinlich noch trickyger. Von daher ist es ganz gut, dass wir uns da in den nächsten Wochen reinfuchsen können und noch einmal sehr große Schritte machen in die richtige Richtung.“

Foto: DSV/Wecamz

Wellen nehmen von Tag zu Tag zu

Momentan bestimmen leichte Winde und Sonnenschein ihren Alltag auf dem Wasser. „Wir sind angekommen an dem letzten Tag der 470er Weltmeisterschaft, zu der die doch recht viel Druck hatten.“ Doch das sei nur der Ankunftstag gewesen, an dem sie das Boot aufgebaut und sich eingelebt haben, um die nächsten Tage produktiv sein zu können. „Wir waren die letzten drei Tage bei leichtem Wind und zunehmend großer Welle auf dem Wasser. Das liegt daran, dass der Taifun gerade auf die Insel zurollt und dementsprechend die Wellen von Tag zu Tag vergrößern. Die vom Taifun bestimmten Bedingungen sind für Japan recht typisch und das in der Welle Segeln ist für alle Bootsklassen recht schwierig. Von daher haben wir hier ganz gute Bedingungen, um das zu trainieren, was wir nicht irgendwo anders auf der Welt so unbedingt finden können.“

Eis zum Abkühlen

Ihr Fazit nach den ersten vier Tagen vor Ort fällt positiv aus – vor allem im Hinblick auf das Wohlfühl-Level. „Natürlich ist es hier sehr warm und sehr schwül, was aber Seglern aller Nationen zu schaffen macht.“ Entscheidend sei es, bei den Grundlagen richtig zu handeln. „Zeit in der Sonne zu minimieren, immer gekühlte Getränke zu haben, genug zu trinken, Eis auf dem Motorboot zu haben, um eine Chance zu haben, wenn wir auf dem Wasser und in der prallen Sonne sind uns entsprechend runterzukühlen“, zählt Alica Stuhlemmer auf. „Sonnenbrillen tragen“, ergänzt sie. So banal dies auch klingen mag, so „super wichtig sind sie und man muss hier einfach noch viel mehr darauf achten.“ Von Tag zu Tag falle es leichter. Nicht nur, weil jeder so seine Technik gegen Hitze und Schwüle entwickelt, sondern auch da sich der Körper langsam akklimatisiere.

Foto: DSV/Wecamz

Mit Übersetzungs-App im Gespräch

Auch der Anpassungsprozess mit der anderen Kultur gelinge immer besser. „Mittlerweile gibt es echt gute Übersetzungs-Apps, mit denen man sich durchschlagen kann.“ Auch Bilder helfen bei der Kommunikation und mittlerweile wissen die Segler, welche SIM-Karten sie ins Telefon stecken müssen, damit alles funktioniert. „Vom DSV werden wir jeden Abend gut verpflegt. Aber da haben wir auch einige Erfahrungen aus dem letzten Jahr mitgenommen. Und die 470er waren ja schon drei Wochen hier und haben noch gute Einkaufsmöglichkeiten herausgefunden.“

Bedingungen lesen lernen

Im Training sei es nun wichtig, das Revier noch genauer kennenzulernen. Zu wissen, wo die Kurse sind, aber auch, wie man dorthin gelangen kann ohne sich zu verheddern. „Wir lernen große Fischernetze zu vermeiden, die zwischen den Kursen liegen und den Weg versperren.“ Der weitere Schwerpunkt liegt darauf, sich in der Welle wohl zu fühlen, die lokalen Wind-Effekte und mit den Bedingungen, die dort auftreten, umzugehen. „Auch die Anzeichen von Wolken am Himmel zu verstehen - so viele Kleinigkeiten, die jeden Tag anders sind. Strömungen kommen hinzu. Das vereinnahmt uns im Training schon und ist auch super interessant, vor allem weil man mit der Welle doch noch große Fortschritte machen kann.“

Foto: DSV/Wecamz

Neues Format, hochkarätiges Feld

Jeden Tag auf dem Wasser, werden sie an ihr großes Ziel erinnert – alleine deshalb, weil sie auf dem olympischen Revier segeln. „Das ist schon ziemlich beeindruckend und cool.“ Hinzukomme dass das ganze German Sailing Team vor Ort ist, zusammen trainiert und Regatta segelt und das mache auch einen Großteil aus, sich klassenübergreifend zu treffen und auszutauchen. „Unser Regattaalltag startet erst so richtig in zwei Tagen. Ein bisschen Vorbereitungen laufen, aber die unterscheiden sich nicht so sehr von anderen Regatten", sagt Alica am Montag. „Für das Testevent ist relevant, dass wir nur 22 Boote am Start sein werden in einem hochkarätigen Feld. Bei den Spielen, sind es noch mal 2 weniger, nur 20.“ Das sei dann doch anders als im Vergleich zu anderen großen Regatten, bei denen Qualifikations- und Finalserie ausgetragen und eine Aufteilung auf Gold- und Silberfleet erfolgt. „Daher bin ich ganz glücklich, dass ich Paul an meiner Seite habe, der das 2016 in Rio und 2015 bei den Pre-Olymics schon erlebt hat, während das für mich ein komplett neues Format sein wird. Es wird so oder so gute Learnings mit sich bringen.“

Letztendlich sei das Testevent eine Regatta auf dem Weg in Richtung Weltmeisterschaften im Winter. Bei der Kieler Woche hatten sie noch deutlich zu viele Fehler gemacht, wie sie in ihrem Fazit zusammenfassen. Daher hatten sie sich im Anschluss in Kiel Zeit genommen alles zu analysieren, Fehler zu benennen, um daran zu arbeiten. Nach der Trainingsphase und vor Japan haben sie dann ein bisschen abgeschaltet und waren hobbymäßig auf dem Wasser. „Und jetzt sind wir Ready to go.“

Bildnachweis Titelfoto: DSV/Wecamz

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