Bildgewaltige Reise zu nautischen Anfängen

von Friederike Hiller

Er brachte die Entdecker dorthin, wo sie hinwollten. Denn zu Zeiten der Seefahrer verhalf Jacques Devaulx Wissen über Navigation zu gelungenen Reisen. Trotz seiner wissenschaftlichen Perspektive, ist es ein Abenteuer dem königlichen Seelotsen zu der Navigation im 16. Jahrhundert zu folgen.

Navigationsgeschichte im Großformat

Cover von "Nautische Werke": Taschen Verlag

In maritimes Blau gehüllt, liegt das großformatige Werk auf dem Tisch. Wer es aufschlägt, versinkt in die Welt der Seefahrt und Navigation. Eindrucksvoll bebildert und mit textlichen Einführungen nimmt „Nautische Werke“ den Leser und Betrachter mit ins 16. Jahrhundert zu Jacques Devaulx und seinem handschriftlichen Navigationshandbuch.

„Ausgewogene Kosmografie“

„Alles in allem gelang Devaulx (...) eine entsprechend dem Wissensstand seiner Zeit ausgewogene Kosmografie, die sich klar an den täglichen praktischen Anforderungen seines Berufsstandes als Königlicher Seelotse orientierte“, schreibt Gerhard Holzer, einer der Autoren der einleitenden Essays. Doch so praktisch die Anweisungen in der 1583 erschienenen Ausgabe auch sind und wie wertvoll sie in der damaligen Zeit für die Seefahrt waren, so kunstvoll hat der Franzose aus Le Havre seine Erklärungen illustriert.

Konstruktion von Seekarten und Darstellung von Windrumben in Kreislinien.

Foto: Taschen Verlag

Positionsbestimmung im 16. Jahrhundert

„Das reich illustrierte Manuskript vereint in sich eine gelungene Kombination von nautisch-astronomisch-kartografischem Wissen und künstlerisch anspruchsvoller Ausstattung im Stile seiner Zeit“, resümiert Gerhard Holzer. So erklärt Devaulx nicht nur wie sich beispielsweise mit der Sternenuhr die Uhrzeit in der Nacht bestimmen lässt, sondern auch wie die Bestimmung des Längen- und Breitengrades anhand der Gestirne und die Berechnung der Gezeiten funktioniert. Er entwirft Volvellen („Scheiben mit beweglichen Teilen, die sich gegeneinander verschieben lassen.“) Diese dienen der Positionsbestimmung.

Devaulx erklärt, wie sich die Höhe des Polarsterns mit dem Kreuzstab bestimmen lässt ohne den Horizont zu sehen; wie die Volvelle mit bogenförmigem Zeiger funktioniert und wie man eine Sternuhr konstruiert.

Foto: Taschen Verlag

Sicher durch die Welt - in Länge und Breite

Titelseite der Ersten Werke von Jacques Devaulx.

1583 erschien sein Werk mit dem Titel„Les premières œuvres de Jacques Devaulex“. „Sie enthalten mehrere Vorführungen, praktische Regeln, Geheimnisse und Lehren, die sehr notwendig sind, um gut und sicher durch die Welt zu fahren - in der Länge wie in der Breite -, indem dem Seefahrer nur so viel erklärt wird, wie er wissen muss“, fasst Devaulx auf der Titelseite zusammen. Als königlicher Seelotse, Kosmograf und Kartograf erstellte der Franzose Seekarten, Weltkarten, Hafenansichten, Gezeitentafeln und erklärt Navigationsinstrumente wie den Kreuzstab. Über seinen Werdegang gebe es keine Quellen, erklären die Autoren Francoise Doray und Jean-Yves Sarazin. Vermutlich wurde Devaulx zwischen 37 und 42 Jahre alt als er 1597 verstarb. So jung er auch verstarb, so wissbegierig und neugierig soll er zu Lebzeiten gewesen sein. Immer auf der Suche nach unerforschten Dingen, denen er sich widmen und Problemen, für die er Lösungen finden konnte.

Das universelle Astrolabium (links) als Volvelle - so lässt sich bei Tag und Nacht die Höhe messen. Rechts eine Zierinitiale zur Bemessung der Länge und eine farbige Windrose.

Foto: Taschen Verlag

Bildliche und haptische Zeitreise

Der Taschen Verlag hat die 31 Folienblätter umfassende Handschrift Devaulx, dessen Original in der Nationalbibliothek in Paris zu finden ist, auf handschmeichlerischem Papier (auch durch die Haptik wird das Gefühl der Zeitreise intensiviert) veröffentlicht und mit Erläuterungen und Auszügen aus seiner Arbeit im Großformat angereichert. Das dieses Werk gerade jetzt erschienen ist, hat einen guten Grund. Die Gründung des französischen Seehafens Le Havre, dem Wohnort Jacques Devaulx, ist 500 Jahre her.

Bildnachweis Titelfoto: Taschen Verlag

Jacques Devaulx, Nautische Werke, Taschen Verlag, 264 Seiten

 

Devaulx Atlantikkarte.

Foto: Taschen Verlag

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