Seglerinnen im Weihnachts-Wahnsinn

von Friederike Hiller

Traditionell und in der Heimat oder am Strand mit einem Segelspot in der Nähe: Wie verbringen Seglerinnen Weihnachten? Ist nach der Regatta auch vor der Regatta? Oder ist es eine ruhige Zeit ohne Segeln? Coastwriter hat bei einigen Seglerinnen der olympischen Klassen Laser Radial, 49erFX und Nacra17 nachgefragt.

Willkommene kleine Auszeit

Laser Radial-Seglerin Svenja Weger hat bis vor ein paar Tagen hat sie noch auf Gran Canaria trainiert. Dort segelte sie die Gran Canarian Olympic Week und im Anschluss gab es ein internationales Trainingslager. „Ein sehr guter und produktiver Jahresabschluss", erzält Svenja. „Über Weihnachten gibt es für mich jetzt eine kurze Pause - teils in Berlin, teils in Beirut im Libanon. Dort leben die Eltern meines Freundes und dort feiern wir  auch Weihnachten.“ Am 27. Dezember morgens gehe es dann auch schon los in Richtung Australien. Dort verbringt sie die kommenden zwei Monate in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften Ende Februar. „Dann nehme ich dort an den australischen Meisterschaften Teil. Die Weihnachtszeit zwischen den Regatten erlebe ich als willkommene kleine Auszeit vom Segeln. Ein bisschen Abschalten, Entspannen, Weihnachten genießen und Familie und Freunde sehen, bevor es dann bald schon wieder losgeht. So richtig wünsche ich mir zu Weihnachten nichts. Ich lasse mich da lieber überraschen. Zu einer erfolgreichen nächsten Saison würde ich natürlich nicht Nein sagen.“

Foto: wecamz

Ruhe nach hohen Wellen

Alisa Engelmann, Vorschoterin im 49erFX hat gerade zusammen mit ihrer Steuerfrau Inga-Marie Hofmann den Vize Junioren Weltmeistertitel in Portugal geholt. Die Weihnachtszeit über geht es in die Heimat. Vor ein paar Tagen ist Alisa Engelmann an den Bodensee zurückgekehrt. „Leider konnten wir aufgrund der etwa zwei Meter hohen Welle nur zwei von vier Tagen aufs Wasser gehen. Wir hatten Bedingungen mit eher weniger Wind und sehr hoher Welle. War auf jeden Fall schwierig, da wir bis jetzt fast noch nie bei so hoher Welle gesegelt sind. Aber wir sind immer als eines der ersten Teams raus und haben uns ordentlich eingesegelt und an die Bedingungen angepasst“, blickt sie zurück. „Über die Weihnachtszeit fahren wir beiden zu unseren Familien nach Hause und verbringen dort eher ruhige Tage. Ist auch mal schön, die Familie wieder zu sehen. Vielleicht gehe ich noch Skifahren, ich habe es ja nicht weit. Ich persönlich habe mir nichts zu Weihnachten gewünscht, ich lasse mich lieber überraschen.“ Und Inga-Marie Hofmann fügt hinzu: „So richtig gewünscht, habe ich mir eigentlich gar nichts, da ich im Moment mit meinem Leben sehr glücklich bin.“ Die Feiertage wird sie mit Ihrer Familie in der Nähe von Düsseldorf verbringen und sie freut sich sehr, ihre Brüder und den Rest der Familie sowie ein paar Freunde wiederzusehen.

Foto: Segelsport Gröhnwohld

Gelüste nach Glühwein in der Sonne

Susann Beucke, Vorschoterin im 49erFX hat mit Steuerfrau Tina Lutz zuletzt bei den Weltmeisterschaften in Neuseeland nur knapp das Treppchen verpasst. Jetzt feiert das Team auf unterschiedlichen Kontinenten Weihnachten. „Tina feiert bei sich zu Hause mit der Oma, also ganz traditionell. Und ich bin zurzeit gerade in Sydney“, berichtet Susann und erklärt: „Wir haben uns entschlossen, dass wir ein Trainingslager in Argentinien machen – zwischen den beiden Weltmeisterschaften – und deswegen hat es sich fast nicht gelohnt, nach Hause zu fliegen. Und hier startet am 26. Dezember das Sydney Hobart Rennen und da wollte ich einen Einblick in die Offshore-Szene gewinnen. Mache hier dann aber trotzdem normales Training.“ Und wie feiern Segler in Australien Weihnachten? „Hier sind relativ viele Segler und Seglerinnen und wir werden am Bondi Beach feiern mit Emily Nagel, die hat am Volvo Ocean Race teilgenommen und kommt aus Bermuda und zwei Brüdern aus Schottland, der eine grindet für das britische Americas Cup Team und dann sind hier noch relativ viel weitere und wir haben eine ganz lustige Idee, nämlich das jeder ein typisches Gericht mitbringt, was in der Heimat gegessen wird und dann werden wir zusammen am Bondi Beach feiern. Aber mein Problem ist noch: Die feiern alle am 25. Morgens, weil es alles englischsprachige sind, und ich suche auf jeden Fall noch jemanden, der am 24. Abends mit mir feiert. Und ich vermisse den Glühwein total. Ich würde gerade alles dafür geben, einmal auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Das ist so anders hier unten in der Wärme zu sein.“

 

Foto: Susann Beucke

Ganz normaler Weihnachts-Wahnsinn

Auch Alica Stuhlemmer und Paul Kohlhoff sind in Neuseeland die Weltmeisterschaften mit den Nacra17 gesegelt. Zu Weihnachten kommen sie zurück - wenn auch nicht nur direkt nach Hause. „Wir besuchen Familien, Verwandte und Freunde, die wie sonst nicht so häufig sehen können. Und genießen das dann auch total. In der Weihnachtszeit passiert bei uns nicht so viel anderes als bei anderen Leuten auch. Es sind während der WM super viele administrative Dinge liegen geblieben, die werden jetzt in Angriff genommen, einfach noch mal auf die Saison rückgeblickt und sich ein bisschen erholt und sonst machen wir ganz normale Sachen – Kekse backen, Weihnachtsmarkt, Geschenke kaufen, den ganz normalen Wahnsinn, den alle anderen auch erleben. Materiell wünschen wir uns gar nicht so viel zu Weihnachten, weil wir jeden Tag das machen, was wir lieben und damit total glücklich sind. Der größte Wunsch ist tatsächlich, dass alle Menschen in unserem Umfeld gesund und glücklich sind und wir hoffentlich dann eine tolle Saison 2020 haben.“

Foto: SailingEnergy

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