Kleine Hoffnungsschimmer in Plastik-Flut

von Friederike Hiller

Pfandflaschen, Wasser-Abfalleimer und Mülltrennung: Überall auf der Welt laufen Kampagnen, um Plastikmüll zu vermeiden oder ihn wieder aus dem Meer zu fischen. „Wenn das Meer das Zeug wieder ausspuckt, haben wir wenigstens die Chance aufzuräumen“, also Ärmel hochkrempeln und los.

Müll statt Strand

Spielen im Plastikmüll – waten durch meterhohen angeschwemmten Müll – Füße zwischen Plastikflaschen vergraben, anstatt im feinen weißen Sand des Strandes. In Manila ist das Greenpeace-Team zu den Plätzen gereist, von denen das Plastik ins Meer gelangt oder von diesem wieder ausgespuckt wird. „Plastikmüll in den Meeren ist ein globales Problem. Manila gehört zu den schlimmsten Hotspots“, berichtet Michael Meyer-Krotz von Greenpeace.

Abigail Aguilar vom philippinischen Greenpeace-Büro begleitet ihn. Seit Jahren klären die rund 40 Mitarbeiter vor Ort zusammen mit anderen Organisationen über die Folgen des Mülls im Meer auf, starten erste Mülltrennungsprojekte und säubern Strände. Doch meist spülen Wellen schon nach wenigen Tagen erneut tonnenweise Unrat an.

Und was nicht aus dem Meer kommt, fließt mit dem Regen zum Meer. So wie beispielsweise aus den „Smokey Mountains“. Ein Berg aus Müll, in dem Einheimische nach Verwertbarem suchen. Kommt die Regenzeit, nimmt das Wasser alles mit, was sich fortspülen lässt, trägt es zu den Flüssen und somit auch ins Meer. „Achtzig Prozent des Mülls, der sich rund um die Insel in den Fluten sammelt, kommt von Land.“ Und das summiert sich innerhalb eines Jahres zu beträchtlichen Summen. Weitweit sollen es etwa acht Millionen Tonnen im Jahr sein. „Jede Minute wird eine Lkw-Ladung in die Weltmeere gekippt.“ Also sind die vermüllten Strände beinahe das kleinere Übel? Michael Meyer-Krotz: „Wenn das Meer das Zeug wieder ausspuckt, haben wir wenigstens die Chance aufzuräumen.“

Schottland setzt auf Pfand-System

Einen Sieg im Kampf gegen Plastikverschmutzung verkündete die Organisation Surfers Against Sewage. So habe Schottland nun die Einführung des Flaschen-Pfands beschlossen. Was bei uns bereits seit Jahren normal ist, hält nun auch im Norden des Vereinigten Königreichs Einzug. 250.000 Unterschriften hatte die Organisation im Rahmen einer Kampagne zur Einführung des Pfand-Systems gesammelt. Jetzt feierten sie den Erfolg. Es wird erwartete, dass 39 Millionen weniger Dosen und Flaschen nun die Schottischen Gemeinden und Küsten verschmutzen können. „Ein Pfand-Rückgabe-System ist ein großer Schritt vorwärts, um eine der Hauptursachen der Plastikverschmutzung der Ozeane zu eliminieren. Wir hoffen, dass der Rest des Vereinigten Königreichs dem schottischen Beispiel folgt“, erklärt Kampagnen-Manager Andy Cummins.

Nordsee ist Testlabor für Pazifik

Für den bereits im Ozean umherziehenden Müll, der sich langsam zu Mikroplastik zersetzt, braucht es eine andere Art von Hilfe. Daher beschäftigen sich Unternehmen und Organisationen damit, wie sie die Ozeane wieder aufatmen lassen können. Mitten in der Testphase stecken die Vorbereitungen zur großen Reinigungsaktion des Pazifiks beim Ocean Clean Up Project. Nachdem der erste Prototyp vor Holland getestet wurde, gibt es nun einen neuen für die Nordsee. Mit Eifer arbeitet das Team daran, das System für den Pazifik bis zum Sommer 2018 fertig zustellen.

Die größte Neuerung besteht darin, dass das bisher verankerte System, das die Plastikpartikel konzentriert, sammelt und aus dem Wasser filtert, nun frei schwimmen soll. Verschiedene Verbindungen zwischen den Einzelteilen, wie den schwimmenden Elementen und dem Sieb, werden auf ihre Strapazierfähigkeit hin getestet. Wer den Bedingungen der Nordsee am besten standhält, wird auch im Pazifik eingesetzt.

Müll-Schlucker für Häfen

Kleiner Filter, aber mit großer Wirkung ist der Meeresabfalleimer vom Seabin Project. Andrew „Turtle“ Turton und Pete Ceglinski haben den Wasser-Müllschlucker entwickelt. Er soll in Häfen und Gewässern, die eher ruhig sind und keine großen Wellenbewegungen aufweisen, eingesetzt werden. Die Öffnung des Eimers lässt das Wasser von der Meeresoberfläche einströmen und mit ihm Schmutz und Müll. Während das Wasser wieder ausströmt, wird der Müll abgefangen. Die Energie, die die Wasserpumpen benötigen wird aus Solar- oder Windenergie gewonnen.

Andrew Turton hatte vor sieben Jahren die Idee zu Seabin. Als Segler und Bootsbauer bereiste er jahrelang die Weltmeere und stellte sich die Frage: „Wenn wir einen Abfalleimer an Land haben, warum dann nicht auch einen im Wasser?“ Vor vier Jahren schloss er sich dann mit Pete Ceglinski zusammen und die beiden Australier gründeten 2015 ihre Firma. Nachdem die Prototypen getestet waren, läuft die Produktion in diesem Sommer an. Das sei aber auch nur ein kleiner Schritt in Richtung müllfreier Ozean - auch die Australier setzen auf Aufklärung und Information.

Bildnachweis Titelfoto: afoncubierta via VisualHunt.com / CC BY-SA

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