„Du machst Gewicht“

von Friederike Hiller

Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Der Start der Segel Bundesliga rückt näher und die ersten Regatten auf einheimischen Gewässern haben bereits begonnen. Jetzt gilt es, auf den Punkt fit zu sein.

Starke Beinmuskulatur für festen Stand

Sie bauen Menschenpyramiden und nutzen Gepäck als Gewicht. Jeder Moment des Trainingslagers kann genutzt werden, um die Muskulatur zu stärken. Silke Basedow, Maren Hahlbrock, Anke Lukosch und Luisa Krüger vom Segel-Bundesliga-Team des HSC (Hamburger Segel-Club) wissen, worauf es dabei ankommt. „Squats (Kniebeugen) sind immer gut.“ Die Hände frei und einen sicheren Stand im Boot haben, dafür braucht es eine starke Bein- und Rumpfmuskulatur. „Festhalten ist nicht das Ziel.“ Stabilität ist gefragt.

Weiter geht’s daher mit dem Unteramstütz. Und um die Mitte auch wirklich vollständig zu trainieren, wird der Stütz noch um seine einarmigen, seitlichen Varianten erweitert. Mit Klimmzügen und Liegestützen erhöht die Crew ihre Armkraft und dann geht es an die Finger. „Die Schot festzuhalten ist heftig. Je besser die Griffkraft ist, desto weniger Blasen gibt es an den Händen.“ Der „Farmers Walk“ bringt die nötige Fingerspannung. Jede Hand umfasst ein Gewicht. Der kräftezehrende Spaziergang kann beginnen.

Mehr Gewicht für die Kreuz

Anstrengend waren beim neuntägigen Trainingslager am Gardasee auch die Einheiten auf dem Wasser. „Es war schön, die Teams wiederzusehen. Im Winter hört man sich nicht so viel“, erzählt Luisa Krüger. Mit Offenheit begegneten sich die Trainingspartner und sorgten so für eine fruchtbare Stimmung.

Erkenntnisreich waren auch die Übungseinheiten zur Starttaktik. Bei den kurzen Rennen und der kurzen Startlinie, auf der nur sechs Boote sind, sei der Startlinienvorteil nicht so groß. Die Geschwindigkeit sei entscheidender als die Position auf der Startlinie. Dann brachte das Start-Training aber noch ein Ärgernis mit sich.

Auf Vorfahrtskurs, aber eingekeilt zwischen zwei Booten startete das HSC-Team am zweiten Tag mit einem Crash und einem Schaden an der J70. Das miese Wetter mit Regen und Nebel konnte die Gemüter zunächst nicht aufheitern. Instabile Gradient- anstatt konstanter thermischer Winde bliesen über den See. Doch nachdem der erste Frust vergessen war, stiegen die vier Frauen wieder ins Training ein und experimentierten mit dem Gewicht.

Sie hatten sich Verstärkung an Bord geholt. Charlotte Henkel aus der Jugendabteilung des HSC komplettierte als fünfte die Crew. „Auf der Kreuz brauchen wir mehr Gewicht. Das ist schon ein Unterschied, ob dreimal 80 Kilogramm oder dreimal 60 Kilogramm vorne sitzen“, vergleicht Luisa Krüger leichte mit schwereren meist männlichen Teams. Für reine Frauencrews ist in der Bundesliga eine fünfte Seglerin an Bord erlaubt. Die Vorzüge der Gewichtszunahme machten sich bemerkbar, als der Wind auffrischt. „Wir sind bei richtig Hack gut gefahren und konnten viel flexibler mit dem Gewicht umgehen.“ Schnell hatten sie raus, wie sie sich am besten positionieren und genossen es, dass eine weitere Person die Füße „drin lassen“ und die Großschot steuern kann.

Wenige Kilogramm entscheiden

Etwa 320 Kilogramm Gesamtgewicht bringt die fünfköpfige Crew auf die Waage. Eine Herausforderung für die Koordination der Masse. „Die Challenge ist, mit möglichst wenig Rudereinsatz zu lenken und dabei schnell zu sein.“ Wenige Kilos sind entscheiden. Daher obliegt die Verteilung der neu ernannten Crew-Weight-Managerin. „Du machst Gewicht.“ Diese Positionsbeschreibung ist zwar nicht charmant, aber die Position an sich um so wichtiger.

Mit vollbesetztem Boot werden die Frauen zum Auftakt der Segel Bundesliga in Friedrichshafen am 27. April starten. Die Spannung steigt. Wie wird unter realen Regattabedingungen das Crew-Gewichts-Management funktionieren? Nur einmal hatte bisher eine Frauencrew die Fünfte-Frau-an-Bord-Regel ausgenutzt und gleich wieder verworfen. Nun startet der HSC seine Premiere.

Fotos: HSC Womens Team

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