Mikroplastik in Meer und Mensch

von Friederike Hiller

Plastik schwimmt nicht nur im Meer, sondern in kleinsten Partikeln auch im Menschen? Wie wirkt sich Mikroplastik auf die Gesundheit aus? Die Weltgesundheitsorganisation fordert weitere Untersuchungen und eine Reduktion der Verschmutzung. Am Sonnabend ist World CleanUp Day, an dem Plastik aus den Meeren und an Land gesammelt wird. Ein wichtiger Schritt, ebenso wie die öffentliche Trinkwasserversorgung am Beispiel Mallorca.

Was macht Plastik im Körper?

Foto: Felipe Ponce / Unsplash
Foto: Felipe Ponce / Unsplash

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert nicht nur eine Verringerung der Kunststoffverschmutzung, um der Umwelt zu helfen, sondern auch um die Belastung des Menschen zu verringern und deren Auswirkungen zu analysieren. „Wir müssen dringend mehr über die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikrokunststoffen wissen, denn sie sind überall - auch in unserem Trinkwasser“, sagte Maria Neira von der WHO. Zwar scheint Mikroplastik nach bisherigem Kenntnisstand kein Gesundheitsrisiko darzustellen, doch das könne auch an den nur begrenzt zur Verfügung stehenden Information liegen. Die Trinkwasserstudie hatte ergeben, dass größere Teilchen wahrscheinlich nicht vom Körper aufgenommen werden. Anders könne dies bei sehr kleinen mikroplastischen Partikeln im Nanogrößenbereich aussehen. Die Daten dazu seien extrem begrenzt, veröffentlichte die WHO in einem Statement zu der Studie.

Wasser filtern

Deshalb seien weitere Forschungen nötig, um die Auswirkungen auf die Gesundheit bewerten zu können. Darüber hinaus sieht die WHO eine Lösung in den Händen von Trinkwasserversorgern und Regulierungsbehörden. Wenn Abwasser- und Trinkwasseraufbereitungsanlagen Fäkalien und Chemikalien behandeln, sei das auch bei der Entfernung von Mikroplastik wirksam. „Die Abwasserbehandlung kann mehr als 90 Prozent der Mikrokunststoffe aus dem Abwasser entfernen, wobei die höchste Entfernung aus der tertiären Behandlung wie der Filtration stammt. Mit der herkömmlichen Trinkwasseraufbereitung können Partikel, die kleiner als ein Mikrometer sind, entfernt werden.“ Allerdings gehöre diese Wasser- und Abwassermaßnahme in weiten Teilen der Erde nicht zum Standard.

Überall Plastik im Menschen und um ihn herum. Foto Karina Tess / Unsplash

Plastik und Daten sammeln

Ein Mittel, damit Mikroplastik nicht weiter Trink- und Meerwasser belastet, ist die Entfernung von Plastik aus der Umwelt. Das Müllsammeln, an Land, im Wasser und der Verzicht auf Produkte, die Mikroplastik enthalten. Passend zum UN Klimagipfel am 21. September rufen auch Umweltverbände und Organisationen zum World Cleanup Day auf. Wer sich an der Aktion beteiligt, kann mithilfe der App „Plastic Patrol“ den gesammelten Müll dokumentieren und so zur Analyse der Verschmutzung beitragen.

Die Nord- und Ostseeküste ist noch ein ziemlich freier Fleck auf der Müll-Sammel-Karte der App. Vielleicht ändert sich das während des Cleanup Days. Anders sieht es in UK aus. Das ist auch kein Wunder, denn die Britin Lizzie Car hat die App ins Leben gerufen. Die Stand up Paddlerin dokumentierte auf ihren Touren den Müll, der ihr über den Weg schwamm. Aus den Daten sollen Forderungen an Wirtschaft und Politik abgeleitet werden.

Foto: Starboard

Für und mit jedem Board gegen Plastik paddeln

Auch die Wassersportindustrie beteiligt sich bereits. Beispielsweise Starboard mit seinem „Plastic Offset Program“. „Innerhalb eines Jahres sammelte das Team am Hauptsitz in Thailand über 43.000 Kilogramm Müll aus der Umwelt und verwandelte somit das Pilotprogramm in ein erfolgreiches Beispiel für den Ausgleich des Plastik-Fußabdrucks eines Unternehmens“, berichtet Starboard. Diese Zahl sei zustande gekommen, da für jedes verkaufte Board 1,4 Kilogramm Plastik aus dem Ozean gesammelt wurden. Der Müll ist aus dem Wasser entfernt. Jetzt muss er sortiert werden. Ein Teil wird für Kunstwerke verwendet, andere zu neuen Kleinteilen für SUP Zubehör verarbeitet.

Kostenloses Trinkwasser spart Flaschen

Nicht einsammeln, sondern gar nicht erst verwenden, das wird zunehmend ins Leben Mallorcas integriert. Die Organisation Cleanwave zieht nach nicht einmal zwei Monaten bereits eine positive Bilanz des ersten öffentlichen Cleanwave-Brunnes, der Trinkwasser gefiltert und kostenlos zur Verfügung stellt, von privaten Spendern finanziert und von Palmas städtischem Versorgungswerk am 19. Juli in Betrieb genommen wurde. Seitdem wurden mehr als 6500 Liter Wasser für die Bürger bereitgestellt, erklärte die Umweltschutzorganisation. So konnten geschätzt etwa 12000 Liter-Flaschen aus Kunststoff eingespart werden. Nun sollen zwei weitere Brunnen folgen. „Unser Ziel ist es, mehr Springbrunnen auf den Balearen zu installieren, als effektive und sofortige Maßnahme zur Reduzierung des Kunststoffverbrauchs bei Einmalprodukten“, so Cleanwave.

Mitmachen

Wer einen Beitrag zur sauberen Umwelt leisten möchte, der kann sich alle Aktionen zum World Cleanup Day in Deutschland hier anschauen. Momentan sind 673 Aktionen dort zu finden. Auch viele lokale Organisationen rufen zum Küstenputz auf. Wer ein SUP hat und das Meer direkt vom Schmutz befreien möchte, kann vom Wasser aus helfen.

Bildnachweis Titelfoto: Brian Yurasits / Unsplash

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