Frauen und Segeln passt wie Arsch auf Eimer

von Friederike Hiller

Erst segelten sie zum Sieg, dann gingen sie baden. Die DSV Kader II Crew gewann das Finale des Helga Cups am Wochenende und wurde anschließend für den Gewinn der Premiere vom HSC Women’s Team in die Alster geworfen. Spaß gehörte zur ersten Frauen-Kielboot-Regatta beim Norddeutschen Regatta-Verein in Hamburg mit dazu. Trotzdem schenkten sich die 62 Frauenteams auf der Regattabahn nichts.

Den Gegner nicht aus den Augen lassen

Nach zahlreichen Rennen auf den J70 und Seascape 24 standen die sieben Finalisten fest. Als der Startschuss ertönte, wurde es dann noch einmal spannend. Bereits an der ersten Kreuz setzte sich „DSV Kader II“ an die Spitze und verteidigte die Position bis zum Schluss. Dicht gefolgt von den „Fantastic Four“. Sie hatten sich genau im Blick. Auf der Zielkreuz beobachteten sich beide Crews genau. Keine konnte unbemerkt umlegen. Aber die „Fantastic Four“ sicherten sich auch nach hinten hin ab. Denn dort folgten das HSC Women’s Team und die Hotquito Crew. Den Kampf um Platz drei konnte das HSC Women’s Team für sich entscheiden. „Wir hatten einen guten Start und haben dann unsere Position nur noch verteidigt. Wir haben den Fantastic Four keine Chance gegeben“, erklärten die siegreichen Kader-Seglerinnen.

3 Steuerfrauen an Bord

Ein neu zusammen gewürfeltes Team mit neuen Superkräften, die zusammen kämpfen müssen – das sind die Fantastic Four aus dem Science-Fiction-Film. Sie sind Namensgeber für die zweitplatzierte Crew, denn diese stammt auch aus verschiedenen Segel-Bundesliga-Teams, tritt zum ersten Mal in der ungewohnten Seascape an, auf teils ungewohnten Positionen und bündelt ihre Kräfte. „Wir sind Opti-Freundinnen“, erklärt Johanna Meier (Warnemünde), wie sie zueinander gefunden haben. Insgesamt drei Steuerfrauen waren an Bord – doch nur eine übernahm die Pinne, die anderen positionierten sich neu. „Jede hatte Lust, etwas Neues auszuprobieren.“ Sie sind angetreten, weil sie einfach Spaß daran haben. Der Ehrgeiz kam erst zum Finale dazu.

Ein bisschen ruhiger als im Skiff

Die Bootsklassen waren auch unbekanntes Terrain für die Kader-Seglerinnen. „Es ist ein bisschen ruhiger“, lacht Susann Beucke. „Auf der Kante hat man auch mal Zeit ein bis zwei Worte zu wechseln.“ Und genügend Personen sind dafür auch an Bord. Eigentlich ist sie es gewöhnt nur zu zweit auf dem 49erFX zu segeln, ebenso wie die beiden 470er Seglerinnen Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß. Für Laser Seglerin Svenja Weger gehörte als Einhandseglerin Kommunikation im Boot nicht zum Alltag. Doch trotzdem hatte nicht nur jede Spaß – sondern auch das Zusammenspiel funktionierte. „Wir hatten vorher gar keine Zeit uns vorzubereiten“, erklärt die Skiffseglerin. Lediglich die Rollen hatten sie bereits an Land festgelegt. Susann war für den Gennaker zuständig, da sie damit auch im Skiff hantiert, die 470er Ladys übernahmen Pinne und Vorschiff („Ann-Christin kann den Gennaker so schön schnell runterreißen“) und Svenja die Taktik. „Taktik ist das, was wir alle immer gerne machen wollen“, berichtet Susann Beucke mit einem Grinsen. Wie die für sie ungewohnten Bootsklassen J70 und Seascape 24 funktionieren, hatten sie sich mit den Videos des HSC Women’s Team angeschaut. Ein Ziel hatten sie sich nicht gesetzt. „Wir wollen einfach nur Spaß haben und den Helga Cup unterstützen. Frauen gehören zum Segelsport wie Arsch auf Eimer.“

Nur weiße Boote mit bunten Segeln

„Es ist unglaublich, eine unfassbar gute Stimmung“, schwärmt Luisa Krüger vom HSC Women’s Team. „Das Finale war aufregend und ich freue mich schon aufs nächste Jahr.“ Überglücklich zeigte sich auch Anke Scheuermann vom Hotquito-Team. Nach der Arbeit hatten sie es ab und zu geschafft, noch mal auf die J70 zu kommen. Doch für die Seascape blieben nur Trockenübungen an Land. Also reine Theorie, die Praxis kam erst zum Helga Cup. Ihre Strategie, die sie zu Platz vier brachte: „Damit wir klar im Kopf bleiben, sehen wir die anderen nur als weiße Boote mit bunten Segeln.“

Erwartungen erfüllt

Vollkommen zufrieden zeigte sich auch Mona Küppers, die Präsidenten des Deutschen Segler Verbandes, der den Helga Cup mit ausrichtet. „Meine Erwartungen sind erfüllt, ich bin total begeistert.“ Die Seglerinnen vernetzen sich, bilden neue Segelgemeinschaften. „Wenn der Spirit so in die Vereine schwappt, ist das ein perfektes Ergebnis.“ Nun haben die Frauen klar gemacht, dass sie segeln können. So leicht werden sie sich die Pinne nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Insbesondere die Durchmischung der Frauen habe ihr gefallen. Das müsse auch so bleiben, dass Amateure und Kader-Seglerinnen gegeneinander antreten. „Es darf keine Qualifikation dafür geben, sondern jede kann mitsegeln. Das macht es spannend“ Auf dem Wasser seien alle ebenbürtig, da werden gegeneinander gesegelt, geschenkt wird sich nichts.

Wie geht's weiter?

Während die Haubentaucher und Schwäne jetzt wieder das Kommando auf der Alster übernehmen und die Organisatoren sich bereits mit den Vorbereitungen für den Helga Cup im kommenden Jahr beschäftigen, geht es für die Siegerinnen stressig weiter. Der Helga Cup passte soeben in eine kleine Lücke in der Vorbereitung der Olympia-Seglerinnen. „Wir waren gerade in Aarhus im Trainingslager“, berichtet Susann Beucke. Dort werden die Weltmeisterschaften ausgetragen und der Reviertest war wichtig. „Die letzte Saison lief super gut. Diese Saison haben wir noch alle wichtigen Events vor uns.“ Aarhus sei nicht vergleichbar mit der Kieler Förde. „Die Welle ist steiler als in Kiel und der Wind anders.“

Wie es jetzt mit der DSV Rookie Crew weiter geht und ob sie dem Fahrtensegeln treu bleiben oder nur noch ins Regattaboot steigen, lest Ihr morgen...

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